Ein Argumentationsvorschlag in der Hirntoddebatte

Bildhinweis: Dieses Werk ist gemeinfrei.

Prämisse (P1)

Wenn die Frage (die in fragestehenden Sachverhalte) (H), ob der irreversible Ausfall der Gesamt- bzw. Teilhirnfunktion eines bislang lebendigen Menschen mit seinem wirklichen Tod, dem „exitus letalis“, also dem für den bislang lebendigen Leib tödlichen Auszug der menschlichen Seele gleichzusetzen ist oder nicht, rein medizinisch nicht mit empirischer Gewissheit geklärt werden kann, sollte gemäß dem ethische Grundsatz „in dubio pro vita“ von allen (auch den Ärzten und Medizinern) davon ausgegangen werden, dass der Hirntote eine noch lebende menschliche Person ist.

Prämisse (P2)

Frage (H) kann rein medizinisch nicht mit empirischer Gewissheit geklärt werden, da diese Frage (die in fragestehenden Sachverhalte) primär eine philosophisch-theologische Frage und keine medizinische ist.

Prämisse (P3)

Der ethische Grundsatz „in dubio pro vita“ ist im Falle des personalen menschlichen Lebens ein allgemeingültiger und absolut (unter allen Umständen) verpflichtender ethischer Grundsatz. (Wenn ein Jäger hinter einem Strauch ein Tier zu sehen glaubt, das er erschießen möchte, sich aber nicht sicher ist, ob es vielleicht ein menschliches Kind ist, ist er absolut verpflichtet, das Lebewesen nicht zu töten. [das Beispiel stammt von J. Seifert])

Konklusion (K):

Folglich sind alle (auch die Ärzte und Mediziner) ethisch absolut verpflichtet, davon auszugehen, dass der hirntote Patient vermutlich eine noch lebende menschliche Person ist, und sind somit ethisch absolut verpflichtet, die „Explantation vitaler Organe aus“ dieser vermutlich menschlichen Person zu unterlassen, da sie vermutlich immer prämortal geschieht und somit den hirntoten Patienten vermutlich tötet bzw. seinen Sterbeprozess vermutlich beschleunigt. (Vgl. C. Erk S. 126)

[Erk. C., Die Explantation vitalen organischen Materials „ex cadavere“: Oder: Was macht einen lebenden Körper zu einem Leichnam? Theologisches 44.2 (2014), 109-128.]

Gegengründe (Gg1)

Das ist nicht praktikabel, da es dann an transplantationsfähigen Organen mangelt, die gebraucht werden.
(Gg1) greift (P2), (P3) und (K) an.