„Daß die Gottesbeweise samt und sonders strittig sind, bedeutet nicht viel. Würde von Beweisen innerhalb der Mathematik eine radikale Entscheidung über die Orientierung unseres Lebens abhängen, wären auch diese Beweise strittig.“ (Spaemann 2005)

Gibt es eine wichtigere Frage als die nach der Existenz Gottes? Gibt es eine existenziellere Frage als die nach der Realität Gottes? Mit dieser Frage ist auf das engste jedweder Sinn oder Unsinn, jedwedes Glück oder Unglück des Menschen verknüpft. Doch wie selten wird diese Frage wirklich ernsthaft gestellt und bedacht?

„Liebe allein genügt“, dies ist eine gute Antwort auf die Frage nach der Existenz Gottes „Liebe allein genügt“ ist, richtig verstanden, auch eine gute Zusammenfassung von Seiferts neuem Buch „Erkenntnis des Vollkommenen – Wege der Vernunft zu Gott“, das Ende Oktober 2010 im noch jungen Lepanto Verlag erschienen ist.

Seiferts Buch zeichnet sich aus durch eine Kürze und Tiefe, die es sowohl für den überzeugten Atheisten, den ehrlich Suchenden, den interessierten Gläubigen, als auch für den „Liebhaber der Weisheit“ interessant macht.

In Erkenntnis des Vollkommenen zeigt Seifert acht Wege der Vernunft zu Gott. Dabei wagt er somit sowohl eine „Neuordnung“ der thomasischen „quinque viae“ als auch eine diese vertiefende personalistische „Neuinterpretation“. Seifert zeigt die personalistischen Aspekte der verschiedenen bekannten Kontingenzbeweise auf und ergänzt diese „durch zwei spezifisch personalistische weitere ‘Wege’ der Gotteserkenntnis aus der Welt“(S. 27). Hierbei nimmt Seifert zum einen „[d]ie Wirklichkeit und Geistigkeit der menschlichen Seele als Grundlage eines personalistischen kausal-teleologischen Gottesbeweises“ – wobei er auch eine kurzgefasste, m. E. gelungene, Verteidigung der verschieden Beweise für die Existenz der menschlichen Geistseele liefert, (vgl. S. 55ff.) – und zum anderen hebt er an bei der Liebe des Menschen zu anderen Personen. Den krönenden Abschluss findet das Buch in der Darstellung und kurzgefassten Verteidigung des ontologischen Argumentes, – das „als vollkommenster und für alle anderen vorausgesetzter ‘achter Weg’ philosophischer Gotteserkenntnis“ (S. 181ff.) aufgefasst werden darf.

Ist die Frage nach Gott überhaupt wissenschaftlich?

Wenn das Sein in seinem Sosein prinzipiell erkennbar ist, wovon die Philosophia perennis einsichtigerweise ausgeht, ist es die genuine Aufgabe der Philosophie, nach dem supremen Sein, nach Gott zu fragen, wie dies schon Aristoteles in seiner Metaphysik getan hat. Dies ist gerade heutzutage wichtig, da mehr und mehr die Einsicht als höchste „Erkenntnismethode“ negiert und an ihre Stelle die Grundmethode der Naturwissenschaften, die Induktion, d. h. das „vermutende“ Schließen, gesetzt wird.

Wenn aber das Ungewisse zur gewissesten Erkenntnis erklärt, das allein Wirkliche auf das sinnlich Erfahrbare reduziert und dies als Grundmaxime der modernen Wissenschaft ausgegeben wird, dann ist die Frage nach Gott wahrhaft unwissenschaftlich. Seifert beugt sich dieser – vermeitlichen – „wissenschaftlichen“ Grundmaxime jedoch nicht und spricht konsequentermaßen auch von Gottesbeweisen.

Die Beweiskraft der Gottesbeweise, das kognitive Erfassen des Daseins Gottes setzt allerdings voraus, dass Herz und Wille das Dasein Gottes bejahen. Denn beim Dasein Gottes handelt es sich (wie bei den innerlich bedeutsamen Gegenständen der Philosophie insgesamt) um eine Wirklichkeit, zu der der Mensch Stellung zu beziehen hat. Wobei diese Stellungnahme selbst wiederum einen indirekten Einfluss auf das Erkennen- und Verstehenkönnen hat. So kann auch die Gottesbeweise, die Seifert in dieser Schrift in meisterhafter Weise auseinanderlegt und dem Verständnis näher bringt, nur angemessen begreifen, wer Gott nicht in einer gelangweilten, einer begehrlichen oder gar einer hasserfüllten, sondern vielmehr in einer liebenden Haltung begegnet.

Personalistische Gottesbeweise

Bedarf es eigentlich, so kann kritisch gefragt werden, eigener personalistischer Gottesbeweise? Ist nicht jeder Gottesbeweis insofern schon personalistisch, als er sich auf den Menschen bezieht und von einer Hinordnung des Menschen, bzw. des übrigen Kosmos auf Gott ausgeht? Die personalistischen Gottesbeweise, so führt Seifert aus, sind „in einem ganz neuen Sinn ‘teleologische’ und ‘personalistische Gottesbeweise’ [. . . ], weil sie nicht nur auf Gott als alleinig mögliche erste Wirkursache menschlicher Seelen und der Sinn- und Lebensfülle menschlicher Personen schließen, sondern von ganz neuen und exklusiv personalen Wesensbeziehungen und Zuordnungen menschlicher Personen und Akte auf Gott ausgehen, also Gott als Zielpunkt und höchsten Sinnbezugspunkt endlicher Personen betrachten“(S. 54). Seifert unterscheidet ferner zwischen dem „kosmologisch-personalistischen“ und dem „rein teleologisch-personalistischen“ Gottesbeweis. Liebe allein genügt, um zu verstehen, dass es Gott gibt Sehr interessant ist auch der Gottesbeweis aus der personalen Liebe. Dieser Gottesbeweis kulminiert in der Erkenntnis, dass ein tiefes Verständnis der personalen Akte des Menschen, insbesondere des Aktes der Liebe, – als des „tiefsten“ personalen Aktes und deren Hinordnung bzw. Ausrichtung auf andere Personen genügt, um zu verstehen, dass es Gott gibt. Ganz besonders faszinierend bzw. herausfordernd ist der „Gottesbeweis aus der Gottesliebe“. Seifert hält ihn für das vielleicht „tiefsinnigste Argument für Gottes Existenz aus der Welt“(S. 112.). Seiferts Buch, so das Resümee, besitzt zweifelsohne den „Atem“, wie er auch dem Proslogion Anselm von Canterburys und dem darin enthaltenen Gottesbeweis zu eigen ist.

Literatruangaben:

Spaemann, Robert (2005). „Der Gottesbeweis - Warum wir, wenn es Gott nicht gibt, überhaupt nichts denken können“. In: Welt Online, 26.03.2005;
accessed: 06.12.2016.

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